Larissa Zöllner war 15 Jahre alt, als sie das erste Mal einen Chor geleitet hat. Das war in Troisdorf. Heute ist sie 44, hat zwei Kinder und arbeitet im Umweltministerium in Düsseldorf als Personalreferentin. Und im Ehrenamt leitet sie seit inzwischen 22 Jahren den Gospelchor unserer Kirchengemeinde.. Geprobt wird alle 14 Tage. Am 10. Oktober um 18 Uhr treten die Joyful Voices mal wieder in der Friedenskirche auf. Neu ist: Mehr Menschen als sonst sollen das Konzert genießen können. Wie sie auf die Idee gekommen ist und wie das aussehen wird? Lesen Sie in diesem Interview.
Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, das nächste Konzert zugänglicher zu gestalten?
Tatsächlich kam die Idee aus zwei Richtungen: Einmal habe ich selbst ein Konzert besucht, von der Band Kasalla, bei dem eine Gebärdendolmetscherin anwesend war. Wie sie die Lieder in Gebärden übersetzt hat, fand ich so faszinierend, dass ich der Band überhaupt nicht mehr zugeguckt hab. Es sah so schön aus. Und ich war total beeindruckt davon, auch weil ich Menschen beobachten konnte, die in Gebärden mitgesungen haben.
Wie genial!
Ja! Und der zweite Entstehungspunkt für unsere Idee war, dass hier in Hilden bei einem Auftritt ein bisschen was schiefgelaufen ist, was zur Folge hatte, dass der Rollifahrer aus unserem Chor nicht auf die Bühne kam. Da haben wir gedacht: Oah, irgendwie braucht es noch mehr Sensibilität für das Thema Inklusion. Und dann haben wir überlegt: Was können wir in der Hinsicht für unser Publikum machen? Vielleicht gibt es da Dinge, die sind gar nicht so kompliziert und trotzdem einladender für Menschen, die so ein Konzert sonst nicht besuchen würden oder könnten?
Und was wird am 10. Oktober deshalb anders sein?
Wir hoffen, wir finden bis dahin eine Gebärdendolmetscherin, die das poetisch kann. Das ist gar nicht so leicht. Man muss die Gebärden ja in den musikalischen Kontext bringen, so dass sie gleichzeitig auf die Musik passen, die da ertönt. Für Gehörlose wollen wir außerdem einzelne Sitzplätze mit einem Gerät ausstatten, dass Vibrationen erlebbar macht. Der Stuhl vibriert dann quasi im Rhythmus der Musik.
Wir werden weit vorne auch einen Bereich schaffen, wo Rollstuhlfahrer „parken“ können, wo es aber auch Stühle für Begleitpersonen gibt. Weit vorne, damit sie immer gut sehen können, auch wenn Menschen aufstehen. Und wir wollen die Randplätze beschildern.
Wofür?
Um alle, die dort sitzen, zu bitten: Seid ein bisschen achtsam, ob es Leute gibt, die vielleicht raus möchten oder aufgrund von Beeinträchtigungen nicht eine ganze Bank durchrutschen können und lasst denen den Platz am Rand. Weiter werden wir einen Raum aufschließen und ein bisschen herrichten, wo zum Beispiel neurodivergente Menschen während des Konzertes kurz zur Ruhe kommen können. Beschlossen sind auch Ohrstöpsel für die, denen es zu laut ist, und ein Programmheft in Einfacher Sprache.
Für wen ist das gedacht?
Für alle, denen Sinn erfassendes Lesen schwerfällt oder die nicht so gut Deutsch können. Auch bei der Moderation möchte ich auf einfachere Sprache achten, das wird für mich noch eine Herausforderung. Wir wollen das ausprobieren! Wir wissen noch nicht so ganz, wo die Reise uns hinführt. Mit Sicherheit wird es Dinge geben, die wir noch anders oder noch besser machen können, aber: Wir wollen erst mal zeigen, dass man offen für neue Ideen sein kann und damit einladender werden für alle Menschen.
Und was erwartet mich als Besucherin musikalisch?
Wie immer eine schöne Mischung aus einfühlsamen, langsamen Songs, die berühren und Liedern, bei denen man einfach mittanzen möchte. Und natürlich werden wir – auch wie immer – zwischendurch Party machen.
Gibt es ein Highlight?
Wir haben zum Beispiel ein Lied dabei, das heißt „Giants“. Es hat nicht nur einen klassisch gospeligen Inhalt, sondern ist auch durchaus politisch. Und zwar handelt es davon, dass die Giganten der Welt, seien sie auch noch so laut, alle fallen werden.
Sollten Interessierte sonst noch etwas wissen?
Ja, wir freuen uns sehr auf das Konzert. Und es wird dieses Jahr zum ersten Mal nötig sein, ein Ticket zu erwerben. Über Neanderticket.de. Weil die Stadt Hilden die Konzerte nicht mehr so fördern kann wie gewohnt.
Das Interview führte Anke Gasch
Über diesen QR-Code geht es zu den Tickets. Sie kosten im Vorverkauf und an der Abendkasse 10 Euro, ermäßigt 5 Euro. Einlass ist ab 17.15 Uhr.

Über diesen QR-Code geht es zu den Tickets. Sie kosten im Vorverkauf und an der Abendkasse 10 Euro, ermäßigt 5 Euro. Einlass ist ab 17.15 Uhr.
