Du betrachtest gerade Aktenscreening in den Kirchenkreisen Düsseldorf-Mettmann und Niederberg abgeschlossen
Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann

Düsseldorf-Mettmann/Niederberg, 19. August 2026 – Die Evangelischen Kirchenkreise Düsseldorf-Mettmann und Niederberg haben die Sichtung ihrer Personalakten im Rahmen der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt abgeschlossen. Ein unabhängiges Expertenteam untersuchte seit Dezember 2025 die Unterlagen aus den vergangenen Jahrzehnten systematisch auf Hinweise auf sexualisierte Gewalt, übergriffiges oder grenzverletzendes Verhalten sowie mögliche institutionelle Versäumnisse.

Insgesamt wurden 16.501 Personalakten von Mitarbeitenden beider Kirchenkreise seit 1945 gesichtet. Dies beinhaltet Mitarbeitende und Pfarrer beider Kirchenkreise, inkl. aller Kirchengemeinden, KITA-Verbünde usw. Dabei fanden die Expertinnen und Experten 18 Hinweise bzw. Verdachtsmomente (aus den Bereichen Kirchenmusik, Pfarrdienst, Jugendarbeit, KITAs), von denen einige bereits bekannt und bearbeitet waren. Diese wurden zur weiteren Prüfung an das Landeskirchenamt weitergeleitet.

„Mit dem Abschluss des Aktenscreenings ist ein wichtiger Schritt getan. Gleichzeitig wissen wir: Mit der Sichtung von Akten allein ist Aufarbeitung nicht abgeschlossen“, sagt Rainer Kaspers, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf-Mettmann. „Wir müssen uns mit den Hinweisen auseinandersetzen, die jetzt sichtbar geworden sind und daraus Konsequenzen für Strukturen und Schutzkonzepte ziehen.“

Auch Wolfhard Günther, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Niederberg, betont: „Wir wollten bewusst eine unabhängige Bestandsaufnahme von außen ermöglichen. Nur so können wir unserer Verantwortung gerecht werden und aus möglichen Versäumnissen lernen.“

Systematische Prüfung durch unabhängige Fachleute

Mit der Aktensichtung war ein externes Expertenteam, bestehend aus 5 Personen, beauftragt. Geprüft wurden nicht nur dokumentierte Vorwürfe, sondern auch indirekte Hinweise wie Beschwerden oder auffällige Personalvorgänge. Beiden Kirchenkreisen sind für das Aktenscreening Kosten in Höhe von
ca. 44.000 Euro entstanden.

Ein vergleichbares Vorgehen gab es bereits im Evangelischen Kirchenkreis Solingen. Dort wurden 6.097 Personalakten gesichtet und acht Hinweise auf sexualisierte oder grenzverletzende Gewalt gefunden. Die nun gefundenen Hinweise stellen nicht automatisch bestätigte Fälle dar. Die weitere Einordnung erfolgt in den zuständigen Prüfverfahren.

Aufarbeitung geht weiter

Die Kirchenkreise werten die Ergebnisse nun aus und lassen diese in die Überarbeitung von Schutzkonzepten, gezielten Präventionsmaßnahmen und Schulungen einfließen. Ziel ist es, Hinweise künftig immer früher zu erkennen und schneller agieren zu können.

„Im nächsten Schritt geht es darum, aus den Ergebnissen konkrete Konsequenzen zu ziehen, die es Täter:innen immer schwerer machen, Übergriffe innerhalb der Kirche zu planen und durchzuführen“, sagt Kaspers. „Leider müssen wir uns der Tatsache stellen, dass wir Taten niemals gänzlich vermeiden werden können. Vor allem darum ist es uns wichtig auch die Sensibilität zu erhöhen und damit eine allgemeine Achtsamkeit innerhalb der Kirchenkreise zu erzeugen, die Täter:innen abschreckt.“

Aufruf an Betroffene und Zeuginnen und Zeugen

Die Kirchenkreise rufen weiterhin Betroffene und Zeuginnen und Zeugen auf, sich zu melden – unabhängig davon, wie lange die Ereignisse zurückliegen.

„Nicht alles ist in Akten dokumentiert. Deshalb bleibt es wichtig, dass Menschen ihre Erfahrungen mitteilen können“, sagt Günther. „Hierzu stehen verschiedene vertrauliche Ansprechstellen zur Verfügung, die jede Meldung ernst nehmen.“

Kontaktmöglichkeiten

Betroffene, Zeuginnen sowie Zeugen können sich an folgende Ansprechpersonen wenden, die für vertrauliche Gespräche zur Verfügung stehen:

Ansprechstelle für den Umgang mit Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung der Evangelischen Kirche im Rheinland: 

Claudia Paul
Telefon 0211 4562-391
E-Mail: claudia.paul@ekir.de


Vertrauensperson beider Kirchenkreise:

Sonja-Christine Neuroth
Telefon: 0157 83988604
E-Mail: sonja_christine.neuroth@ekir.de

Externe Beratungsstelle:

Wildwasser Bielefeld e.V.
Telefon: 0521 5573466
E-Mail: ansprechstelle@wildwasser-bielefeld.de